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08.06.2009 | Kategorien: Experience...

Experience...Spain

Praxissemester bei Robert Bosch in Madrid, Spanien

               

Nachdem ich im Dezember endlich die Zusage für ein Praktikum bei der Robert Bosch España Fábrica Madrid, S.A. erhalten hatte, ging es auch schon mit den konkreten Vorbereitungen des anstehenden Auslandsaufenthaltes los: Kontakt mit der Personalabteilung für weitere Formalitäten aufnehmen, Flug buchen und Wohnungssuche via Internet hatten dabei erstmal Priorität.

Am 13.01. hieß es dann Abschied nehmen vom verschneiten Deutschland und eintauchen in 5 Monate ¡viva españa!.

Angekommen in Madrid ging es mit geschätzten 40 Kilo Gepäck per Taxi zu meiner neuen Bleibe und ich war gespannt auf die WG, die ich bei meinen Recherchen zu Hause entdeckt und für gut befunden hatte. Leider war die Wohnung dann aber überhaupt nicht nach meinen Vorstellungen, außerdem entpuppte sich auch der tägliche Weg zur Arbeit mit der Metro als zu lang, sodass ich mich vor Ort erneut auf Wohnungssuche gemacht habe.

Da es im Internet Angebote ‚en masse' gibt, hatte ich schon einige Besichtigungstouren später die perfekte Bleibe gefunden und habe mich nach diesem etwas holprigen Start und kleinen Anflügen von Heimweh dort auch sofort richtig wohl gefühlt. Die neue WG teile ich mit 3 super netten Mädels, einer Portugiesin, einer Spaniern und einer Kolumbianerin, bis zur Arbeit kann ich laufen und auch mein Vermieter war von Anfang total nett und hilfsbereit.

Wegen Kurzarbeit und Winterferien bei Bosch blieben mir noch einige freie Tage um die Stadt zu erkunden und bereits erste Sightseeingaktivitäten zu unternehmen.

 

Mein Praktikum in der Einkaufsabteilung war vom ersten Tag an super, schon vorher hatte ich per Mail und Telefon Kontakt zu meinem Vorgänger, der mich dann für etwa eine Woche in all meine zukünftigen Aufgaben eingearbeitet und geduldig all meine Fragen beantwortet hat.

Meine Aufgaben waren von Anfang an interessant und abwechslungsreich, da alle Praktikanten neben dem Tagesgeschäft zusätzliche Projekte bearbeiten. So habe ich mich einen großen Teil meiner Arbeitszeit mit dem am Standort Madrid noch neuen ‚Bosch Supply Early Warning System' zur monatlichen Lieferantenbewertung beschäftigt, und mein Chef hatte gleich zu Beginn vorgeschlagen, dass ich auch meine Praxisarbeit zu diesem Thema erstellen könne. In Zusammenarbeit mit der Controlling-Abteilung habe ich zusätzlich die internen Kontrollen für unsere Abteilung bearbeitet und wurde zum Ende meiner Zeit auch noch in ein neues Projekt zum Thema ‚Purchasing in Emerging Markets' eingebunden. Daneben gab es natürlich auch regelmäßige Routineaufgaben, wie Bestellabwicklung und Angebotsanforderungen, Datenpflege sowie das monatliche Versenden von Problemlieferantenkennzahlen.

Die Arbeitsatmosphäre in unserer Abteilung hat mir gleich gefallen, alle Kollegen und vor allem mein Chef sind super nett und dank der beiden anderen Praktikanten im Einkauf war es auch kein Problem, in den Pausen sofort Anschluss zu finden und erste Kontakte zu knüpfen.

So war ich dann auch schon ab dem ersten Wochenende nicht mehr alleine unterwegs und schnell hatten wir eine kleine Clique zusammen, die die freie Zeit gemeinsam verbracht und häufig schon montags wieder Pläne für das kommende Wochenende geschmiedet hat.

 

Angefangen mit Ausflügen in der Stadt (wir alle wussten ja, dass das Wetter bald besser werden würde, sodass die ‚Pflicht-Museumsbesuche' gleich zuerst abgehakt wurden) ging es bald weiter mit Tagestrips in die nähere Umgebung nach Segovia, Toledo oder Ávila.

Schon bald waren auch die ersten Wochenendtrips in Planung und so wurden günstige Flüge nach Lissabon und Marokko gebucht, Nachtbustickets nach Valencia zu den ‚Fallas' gekauft oder ein anderes Mal für einen Roadtrip nach Granada zu neunt ein Minibus gemietet. All unsere Reisen waren kleine Highlights und jede auf ihre andere Art unvergesslich.

Aber nicht nur die Wochenenden sondern auch die Abende unter der Woche waren häufig ausgebucht, von Februar bis April bin ich zweimal in der Woche zur Sprachschule gegangen, auf die ich im Internet aufmerksam geworden war und deren Schüler dank meiner fleißigen Werbetrommel schon bald zu 90% andere Bosch Praktikanten waren.

Der Unterricht hat mir wegen der lockeren und spaßigen Atmosphäre immer gut gefallen, häufig haben wir zudem tolle Tipps in Sachen spanisches Alltagsleben erhalten und nicht selten hat sich unsere Lehrerin gewundert, was wir auf der Arbeit wieder für neue Schimpfwörter gelernt hatten (zugegeben musste aber auch ich mich erst ein wenig an den für deutsche Ohren eher rauen Umgangston in Verhandlungen, Telefonkonferenzen oder ganz alltäglichen Gesprächen unter Kollegen gewöhnen und hätte mich in so mancher Besprechung anfangs gern unter'm Tisch versteckt, wenn die überhitzten spanischen Gemüter ihrem Unmut lauthals Luft verschafft haben. Aber es dauerte nicht lange und der Lautstärkepegel wurde zur Gewohnheit und manchmal hat man glatt mit Spaß den nicht immer ernst gemeinten Beschimpfungen gelauscht, die regelmäßig per Telefon oder direkt von Angesicht zu Angesicht ausgetauscht wurden).

 

Neben der Sprachschule durften natürlich auch die unzähligen Tapas Bars nicht unerkundet bleiben - da gibt es zum Beispiel das Cañas&Tapas, gleich bei Bosch um die Ecke, in dem es jeden Freitag nach Arbeitsende von Praktikanten nur so wimmelt - und dank der vielen Insider-Tipps, die von Praktikantegeneration zu Praktikantengeneration weitergegeben werden, wurde unsere Liste der ‚Favorite Places' für eine abendliche Caña mit ein paar Tapas schnell länger.

Wenn dann nach unzähligen Wochenendausflügen und vollen Wochen Allen einfach mal nach Ausspannen und Relaxen zumute war, ging es zum Sonnen in einen der vielen schönen Parks oder es wurde einfach mal ein gemütlicher Stadtbummel eingelegt (an dieser Stelle sei erwähnt, dass Madrid ein kleines Paradies für alle Shopping-Süchtigen ist, da die Läden unter der Woche bis 21Uhr und in den Einkaufsstraßen im Zentrum sogar sonntags geöffnet haben, sodass sich selbst die längsten Einkaufslisten nach und nach abarbeiten lassen und in Sachen Kleidung, Schuhe und was man(n) (oder Frau) sonst noch so braucht keine Wünsche offen bleiben.

 

Auch das Feiern kommt in der Stadt beim besten Willen nicht zu kurz, unzählige Bars und kleine Kneipen laden zu ‚Bar-Hopping'-Touren ein und auch an riesigen und glamourösen Discos mangelt es nicht, sodass für jeden ‚Weggeh-Geschmack' etwas dabei ist. Gewöhnen muss man sich lediglich an die etwas anderen Zeiten, da die Madrilenen selten vor eins oder halb zwei nachts so richtig losfeiern und dafür eine durchzechte Partynacht häufig erst mit einem gemeinsamen Frühstück (Chocolate con Churros) beendet wird, sodass man nach Hause kommt, wenn es schon (lange) wieder hell ist.

 

Rückblickend kann ich sagen, dass ich meine Zeit in Madrid sehr genossen habe und sich während der ganzen 5 Monate nie wirklich ein richtiger Alltag oder gar Langeweile eingestellt hat. Das mag auch daran liegen, dass das Leben in einer Großstadt für kleine ‚Landeier' wie mich selbst nach fast einem halben Jahr noch immer aufregend und interessant ist und viele Vorzüge mit sich bringt. So habe ich beispielsweise mein Auto dank des hervorragenden Metro- und Busnetzes nicht eine Sekunde lang vermisst und werde mich noch oft genug zurücksehnen, wenn ich erst wieder daheim am Bahnhof auf einen der 2mal stündlich fahrenden Züge warte und die Bahnen nicht mehr alle 5 Minuten kommen.

Vermissen werde ich mit Sicherheit auch die hier allgemein etwas entspanntere Arbeitsatmosphäre und die weniger gestresste spanische Lebensweise, auch wenn mir die deutsche Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit manchmal schon etwas gefehlt hat wenn es wieder einmal hieß: Das machen wir ‚mañana'.

Ich freue mich auf die noch verbleibenden Wochen hier, die ich in vollen Zügen genießen werde bevor die Heimreise ansteht und verabschiede mich mit einem sonnigen Gruß aus Madrid.

 

Katharina

 

 

 

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